EM Einführungskurs – Ehrliches Mitteilen nach Gopal Norbert Klein

Ist das Ehrliche Mitteilen eine Sekte?
Ein Blick hinter die Kulissen

23. November 2025

Anna Lisa Corrinth
Foto einer Gruppe von 5 Personen im Sonnenuntergang auf Felsen im Gegenlicht,. Größter Teil des Bildes ist gelblicher Himmel.

Hinweis: Ich praktiziere selbst seit mehreren Jahren EM, leite seit 2021 eine EM-Gruppe und biete EM-Kurse an. Der folgende Artikel ordnet das EM aus meiner fachlichen Erfahrung ein – ehrlich und nachvollziehbar.

Sektenartige Begeisterung?

Vielleicht kennst du das: Jemand, den du gern hast, hat kürzlich das Ehrliche Mitteilen nach Gopal für sich entdeckt und spricht momentan von nichts anderem mehr. Er hält das Ganze für die genialste Erfindung seit der Brotschneidemaschine und will unbedingt, dass du es auch mal probierst.

Dir ist die Sache nicht geheuer. Immer, wenn etwas als die ultimative heilsbringende Methode verkauft wird, muss es doch einen Haken haben, oder?

Dazu gibt es auch noch einen charismatischen Initiator, Gopal Norbert Klein, der manchmal esoterisch anmutende Aussagen macht und aus Sicht vieler Anhänger offenbar nur die reine Wahrheit verkündet. Genug Gründe, um skeptisch zu sein.

Klare Kriterien

Bevor man eine Selbsthilfemethode ausprobiert oder sich einer Gruppierung anschließt, ist es tatsächlich ratsam, sich einmal genauer damit zu beschäftigen, wie vertrauenswürdig das Ganze ist.

In diesem Artikel nehmen wir uns klare Kriterien für eine Sekte oder neue religiöse Gemeinschaft (NRG) vor und untersuchen die Bewegung des Ehrlichen Mitteilens Schritt für Schritt. 

Damit es nicht zu unübersichtlich wird, kannst du die Informationen anklicken und aufklappen, die dich am meisten interessieren. 

Was macht eine Sekte aus?

Die folgenden fünfzehn Kriterien stammen von der Webseite von Infosekta, einer politisch und konfessionell unabhängigen Schweizer Beratungsstelle zu sektenhaften Gemeinschaften. Zum besseren Verständnis sind sie hier in vier Bereiche unterteilt:

Merkmale sektenartiger Gruppen
1. Hierarchische und doktrinäre Struktur
  • Struktur der Organisation: Gruppe mit straff hierarchischer und doktrinärer Struktur
  • Autoritäre Führung: Führergestalt mit prophetischen oder guruhaften Ansprüchen
  • Offenheit der Gruppe: Isolation und starke Abgrenzung der Gruppe nach außen
  • Leistungen für die Gruppe: überteuerte Kursangebote oder Kosten für Lehrmaterial, Fronarbeit
2. Vereinfachtes Welt- und Menschenbild mit Absolutheitsanspruch
  • Welt- und Menschenbild: Einteilung der Welt in Gut und Böse, Schwarz-Weiß-Denken
  • Absolutheitsanspruch: ausschließender Glaube an die absolute Wahrheit des eigenen Systems, der eigenen Lehre, des eigenen Weges, der eigenen Methoden
  • Erlösungs- oder Heilsversprechen: „Universalrezepte“ für sämtliche Probleme sowie irreale Machbarkeitsvorstellungen
  • Elitebewusstsein: Die Mitglieder der Gruppe verstehen sich als auserwählt, als spirituell weiterentwickelte Elite der Menschheit, als „Speerspitze“ des Wissens
  • Endzeiterwartung: Gruppe erwartet Endzeit, Weltuntergang
3. Restriktive Informationspolitik
  • Informationspolitik nach Außen: keine offene Informationspolitik, irreführende Propaganda
  • Informationspolitik nach Innen: Selektion von Information bis hin zu bewusster Desinformation innerhalb der Gruppe
  • Umgang mit Kritik: Kritikverbot innerhalb der Gruppe; Bekämpfung von KritikerInnen außerhalb
4. Manipulations- und Kontrollstrategien
  • Milieukontrolle: Kontrolle und Überwachung aller Lebensbereiche
  • Rücksichtslose Methoden: getarnte oder irreführende Anwerbung, Indoktrination, Einsatz von bewusstseinsverändernden Methoden
  • Gedanken- und Gefühlskontrolle: durch Erzeugung eines schlechten Gewissens und von Angst wird das Mitglied manipuliert; durch exzessives Praktizieren von Entspannungstechniken und Meditation werden Gedanken und Gefühle kontrollierbar und manchmal sogar ein „innerer Führer“ eingeführt, der das eigene Gewissen ersetzt

Schauen wir uns nun an, inwieweit die Kriterien der vier Bereiche auf das Ehrliche Mitteilen nach Gopal zutreffen.

1. Hat das EM eine hierarchische und doktrinäre Struktur?

• Struktur der Organisation: Gruppe mit straff hierarchischer und doktrinärer Struktur

Das Ehrliche Mitteilen ist ein dezentral organisiertes Selbsthilfenetzwerk. Die Methode ist frei zugänglich und kann von jedem privat praktiziert werden. Jeder darf eine EM-Gruppe gründen und leiten – ohne Ausbildung oder Zertifizierung. Dies führt manchmal dazu, dass die Qualität der EM-Angebote je nach Leiter variiert, aber eine straff hierarchische Struktur lässt sich nicht erkennen.

Natürlich hat das EM klar definierte Regeln, deren Einhaltung wesentlich für den sicheren Ablauf ist. Das mag manch einer als autoritär empfinden. Die formale Strenge ist jedoch kein Selbstzweck, sondern dient dazu, dass die Gruppen ohne vorherige Schulung der Leiter stattfinden können.

Der stark ritualisierte Ablauf sorgt – wenn er eingehalten wird – dafür, dass sich die Teilnehmenden sicher fühlen und Übergriffigkeiten sowie emotionale Überflutung verhindert werden. EM gleicht eher einer achtsamen Zen-Praxis als einer impulsiven Encounter-Gruppe. Wer sich davon eingeengt fühlt, ist bei weniger formalisierten Sharing-Methoden vermutlich besser aufgehoben.

• Autoritäre Führung: Führergestalt mit prophetischen oder guruhaften Ansprüchen

EM-Initiator Gopal Norbert Klein hat ein spirituell geprägtes Weltbild und gibt an, die Methode des EM nach vielen Gebeten von einer höheren Quelle empfangen zu haben.

Verständlicherweise wirkt diese Aussage auf viele Menschen, die selbst weniger Bezug zu spirituellen Themen haben, erst einmal befremdlich. Die Methode des EM an sich ist allerdings bodenständig und unkompliziert – und politisch wie weltanschaulich neutral.

Gopal selbst sieht sich übrigens nicht als spirituell erleuchtet. Mediale Fähigkeiten seien nichts Besonderes, jeder Mensch könne sie entwickeln. Sein theoretisches Wissen stamme aus intensiver Beschäftigung mit traumatherapeutischer Literatur.

• Offenheit der Gruppe: Isolation und starke Abgrenzung der Gruppe nach außen
Eine Kernbotschaft beim EM lautet: „Der Partner, der jetzt da ist, ist bereits der Richtige für dich.“ Statt Trennung wird vertiefter Austausch empfohlen. EM will Menschen aus der Isolation heraus und zurück in die Gemeinschaft führen. Jede Form von nährendem Kontakt (z.B. Aufstellungsseminare, freies Tanzen, gemeinsame Naturausflüge, Kirchengemeinde etc.) wird ausdrücklich befürwortet.
• Leistungen für die Gruppe: überteuerte Kursangebote oder Kosten für Lehrmaterial, Fronarbeit
Das EM beruht auf freiwilligem ehrenamtlichem Engagement. Niemand wird aufgefordert, sich einzubringen, wenn er dies nicht möchte. Zahlreiche Infomaterialien wie das EM-Merkblatt, Gopals Videos und der Online-Einführungskurs sind gratis. Kostenpflichtige Angebote aus der EM-Community bewegen sich in der Regel in einem fairen Rahmen.

2. Gibt es beim Ehrlichen Mitteilen ein vereinfachtes Welt- und Menschenbild mit Absolutheitsanspruch?

• Welt- und Menschenbild: Einteilung der Welt in Gut und Böse, Schwarz-Weiß-Denken
Das EM geht von der Annahme aus, dass unsere Gesellschaft sich derzeit in einer Schieflage befindet: Naturzerstörung, Kriege, Aufrüstung, Spaltung der Gesellschaft und die zunehmende Vereinzelung der Menschen erleben wir alle mit. Warum all dies geschieht, ist aus Sicht des EM nebensächlich. Ein EM-Motto lautet: „Wir machen die Transformation jetzt selbst.“ Jeder kann nur bei sich selbst anfangen, um die Welt zu verbessern, indem er die destruktiven Muster in seinem eigenen Leben auflöst.
• Absolutheitsanspruch: ausschließender Glaube an die absolute Wahrheit des eigenen Systems, der eigenen Lehre, des eigenen Weges, der eigenen Methoden
Die Grundannahme des EM tritt zugegebenermaßen mit einem gewissen Wahrheitsanspruch auf: „Die meisten Probleme und Konflikte in dieser Welt liegen an ungelösten Bindungsmustern aus der frühen Kindheit.“ Ob diese Aussage zutrifft, muss jeder für sich selbst beurteilen. Doch da die großen kollektiven Visionen zur Weltverbesserung bislang nicht wirklich gefruchtet haben, ist der Ansatz: „Jeder löst erstmal sein eigenes Trauma“ vielleicht eine Überlegung wert.
• Erlösungs- oder Heilsversprechen: «Universalrezepte» für sämtliche Probleme sowie irreale Machbarkeitsvorstellungen
Ein Heilsversprechen kann das Ehrliche Mitteilen nicht machen. Als Selbsthilfemethode ersetzt es keine Psychotherapie. Bei schwereren psychischen Leidenszuständen sollte unbedingt die Hilfe professioneller Therapeuten oder Psychiater in Anspruch genommen werden.

EM sollte außerdem nicht mit den eigenen Kindern, innerhalb der eigenen Herkunftsfamilie oder in Beziehungen mit einem Machtgefälle (z.B. Chef, Vermieter) gemacht werden.
• Elitebewusstsein: Die Mitglieder der Gruppe verstehen sich als auserwählt, als spirituell weiterentwickelte Elite der Menschheit, als „Speerspitze“ des Wissens.
Wer Ehrliches Mitteilen praktiziert, muss zunächst bereit sein, anzuerkennen, dass er selbst – aufgrund seiner traumabedingten Muster – für die Missstände in seinem Leben verantwortlich ist. Das führt bei vielen eher zu einer selbstkritischen, reflektierten Haltung als zu dem Eindruck, ‘weiter’ oder ‘besser’ zu sein als andere.

Wenn jemand beginnt, sich ehrlich mit seinen eigenen Mustern auseinanderzusetzen, taucht oft ein Gefühl von Fortschritt oder neuer Selbstwirksamkeit auf. Mit Verwandten und Freunden, denen es lieber wäre, wenn alles bleibt wie bisher, kann es mitunter zu Reibungen kommen – das ist ein normaler Teil des persönlichen Entwicklungsprozesses.
• Endzeiterwartung: Gruppe erwartet Endzeit, Weltuntergang

Wir leben in Zeiten, wo allerorten von Kriegsvorbereitung die Rede ist, die Regierungen zur Notfallvorsorge aufrufen und KI-Katastrophenszenarien kursieren. Das EM ermutigt, den Blick auf das zu lenken, was wir direkt beeinflussen können: mehr Frieden und Harmonie in unseren eigenen Beziehungen.

In einigen Social-Media-Posts hat Gopal Aussagen gemacht, die etwas alarmierend klingen können – etwa Empfehlungen zu Vorräten oder zur Auswanderung. Solche Äußerungen sind seine persönliche Sicht auf gesellschaftliche Entwicklungen und nicht Bestandteil der Methode des Ehrlichen Mitteilens.

Im EM selbst gibt es keinerlei Endzeitnarrative. Die Praxis konzentriert sich auf zwischenmenschliche Präsenz und Selbstverantwortung, nicht auf geopolitische Einschätzungen.

3. Hat die EM-Community eine restriktive Informationspolitik?

• Informationspolitik nach Außen: keine offene Informationspolitik, irreführende Propaganda
Es gibt beim EM keinen Verein, keine Mitgliedschaft. EM-Gruppen haben maximal acht Mitglieder und treffen sich dezentral. Es gibt daher keinen „inneren Kreis“, der andere Informationen erhält als sie nach außen kommuniziert werden. Alle wichtigen Informationen zum EM stehen in Gopals Merkblatt, einem zehnseitigen Dokument.
• Informationspolitik nach Innen: Selektion von Information bis hin zu bewusster Desinformation innerhalb der Gruppe
Siehe oben.
• Umgang mit Kritik: Kritikverbot innerhalb der Gruppe; Bekämpfung von KritikerInnen ausserhalb
Tatsächlich gibt es einige EM-Praktizierende, die sensibel auf Kritik an „ihrer Methode“ reagieren oder aus den klaren Regeln und Vorgaben des EM eine etwas rigide Richtschnur für ihr Leben machen. Einige Teilnehmer orientieren sich stark an Gopals Aussagen und hinterfragen sie selten.

Hierbei sollte man aber beachten, dass jede Selbsthilfemethode aus dem Traumakontext natürlich Menschen anzieht, die in ihrem Leben schon vieles ausprobiert haben, um Linderung zu finden. Wenn sie dann etwas entdecken, was sie tatsächlich als wirksam erleben, kann es leicht passieren, dass diese Methode erst einmal verabsolutiert wird.

Im Allgemeinen kommen in der EM-Community aber Menschen zusammen, die selbstständig und kritisch denken. Gopal wird in der Regel nicht als Heilsbringer gesehen, sondern als Initiator einer sehr hilfreichen Methode, der – wie wir alle – auch nur ein Mensch ist.

4. Werden in der EM-Community Manipulations- und Kontrollstrategien angewendet?

• Milieukontrolle: Kontrolle und Überwachung aller Lebensbereiche
Da das EM zu zweit oder in dezentralen Gruppen von maximal 8 Personen mit flacher Hierarchie praktiziert wird, sind sektentypische Kontrollmechanismen innerhalb von EM-Gruppen sehr unwahrscheinlich. Im EM-Merkblatt ist der Ablauf eines Gruppentreffens außerdem genau beschrieben. Weicht ein Gruppenleiter davon ab und fängt an, sich als Guru aufzuspielen, sollten Teilnehmer diese Gruppe sofort verlassen.

Dass Menschen einem bestimmten Content-Creator oder einer Selbsthilfemethode, wie dem EM, gelegentlich intensiver folgen, ist ein normales sozialpsychologisches Phänomen – kein Zeichen von Fremdkontrolle.
• Rücksichtslose Methoden: getarnte oder irreführende Anwerbung, Indoktrination, Einsatz von bewusstseinsverändernden Methoden
Beim EM geht es um Selbstverantwortung und klares Kommunizieren von Gefühlen, Bedürfnissen und Grenzen. Manipulation, Übergriffigkeit, Ausnutzen anderer – all das wird entschieden abgelehnt. Bewusstseinsverändernde Methoden wie z.B. Psychedelika sieht Gopal übrigens kritisch, da sie auf Menschen mit Traumahintergrund destabilisierend wirken können.
• Gedanken- und Gefühlskontrolle: durch Erzeugung eines schlechten Gewissens und von Angst wird das Mitglied manipuliert; durch exzessives Praktizieren von Entspannungstechniken und Meditation werden Gedanken und Gefühle kontrollierbar und manchmal sogar ein “innerer Führer” eingeführt, der das eigene Gewissen ersetzt
Beim EM teilt jeder mit, was in ihm selbst vorgeht, auch der Gruppenleiter. Die Mitteilungen anderer werden nicht inhaltlich kommentiert, weder während dem EM noch danach. Es geht beim EM gerade darum, nicht kontrollierend auf andere einzuwirken, sondern in die Selbstmitteilung zu gehen.

Fazit

Betrachtet man die fünfzehn Kriterien für Sekten und problematische Gruppen, zeigt sich: Das Ehrliche Mitteilen erfüllt praktisch kaum eins der Merkmale, die eine gefährliche oder sektenhafte Gruppierung ausmachen würden. Es ist dezentral, freiwillig, die Teilnahme ist offen und selbstbestimmt, und niemand wird unter Druck gesetzt oder manipuliert.

Wenn es zu problematischen Dynamiken kommt, wie einer etwas unkritischen Gefolgschaft, liegt dies nicht an der Methode selbst, sondern an der Art und Weise, wie Einzelne sie anwenden oder interpretieren.

Kurz gesagt: Wer EM ausprobiert, muss keine Angst haben, in eine „Sektenfalle“ zu geraten. Die Methode lädt vielmehr dazu ein, klar zu kommunizieren, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und die eigenen Beziehungen bewusster zu gestalten – und das auf eine entspannte, eigenständige Art.

Neugierig auf das EM geworden? Wenn wissen möchtest, wie eine EM-Sitzung abläuft, schau dir gern meinen Blogartikel „Wie geht Ehrliches Mitteilen?“ an.