Modul 2: Besondere Situationen beim Korrigieren

In diesem Modul lernst du:

  • wie du mit stark überforderten Teilnehmern umgehen kannst
  • wie du Diskussionen über Regeln souverän begrenzt
  • wie du Vertretungen organisierst, ohne dass der Rahmen verloren geht

Rund um das Thema Korrigieren können beim EM immer wieder einmal besondere Situationen auftauchen – sei es bei stark überforderten Teilnehmern, Diskussionen über Regeln oder wenn du dich als Gruppenleiter vertreten lässt. Eine klare, umsichtige Haltung hilft, deine Gruppe sicher und harmonisch zu führen.

Umgang mit stark überforderten Teilnehmern

Manchmal kann es vorkommen, dass Menschen an deiner Gruppe teilnehmen, die mit den drei EM-Satzanfängen stark überfordert sind. Als Gruppenleiter stehst du vor der Frage, wie du damit umgehen solltest. Denjenigen bei jedem zweiten Satz zu unterbrechen, ist auf die Dauer ermüdend – für dich und für ihn. Bei manchen Teilnehmern scheinen die Korrekturen sogar für noch mehr Durcheinander im Kopf zu sorgen.

Um einem stark überforderten Teilnehmer den Einstieg zu erleichtern, gibt es verschiedene Möglichkeiten:  

  • Bitte ihn, den Einführungskurs auf em-lernen.de zu absolvieren.
  • Weise darauf hin, dass das Mitteilen jederzeit beendet werden kann, wenn es zu anstrengend wird. 
  • Lasse den Teilnehmer wirklich jeden Satzanfang von einem Blatt ablesen.
  • Gib dem Teilnehmer, so wie in Gopals Merkblatt auf Seite 4 und 5 vorgegeben, drei konkrete Sätze vor, die dieser Wort für Wort vom Blatt abliest, wenn auch das nicht möglich ist, nur einen einzigen. Die entsprechenden Sätze findest du im Merkblatt.

Beobachte außerdem eine Weile, ob die Schwierigkeiten des Teilnehmers nur mit anfänglicher Angst zu tun haben und sich mit der Zeit legen, oder ob es dauerhaft so bleibt.

Wenn sich nach einigen Gruppentreffen abzeichnet, dass derjenige trotz aller Hilfen mit den Satzanfängen dauerhaft stark überfordert ist, sprich unter vier Augen mit ihm und lege ihm ggf. nahe, erst einmal eine Psychotherapie im Zweiersetting zu machen.

Überforderung beim EM ist kein Zeichen von mangelnder Intelligenz, sondern ein Hinweis darauf, dass das Nervensystem dysreguliert ist und zurzeit ein sichereres Setting gebraucht wird, als das EM es bieten kann.

Umgang mit Diskussionen über EM-Regeln

Hin und wieder kommt es vor, dass ein Teilnehmer mit einer Korrektur nicht einverstanden ist: „Diesen Punkt sehe ich anders. Man könnte Gopal hier auch so interpretieren, dass…“ oder „Meine andere Gruppenleiterin hat das nie korrigiert.“

Lasse dich hier nicht auf lange Diskussionen ein. Kündige wenn nötig an, dich zu der Frage noch einmal zu informieren, mit Hilfe der EM-Merkblätter oder indem du auf der Webseite www.em-hilfe.de nachliest, auf der Gopal zahlreiche Anwenderfragen zum EM beantwortet hat. Auch der Einführungskurs auf em-lernen.de beleuchtet viele Details zu den EM-Regeln. Wenn du wirklich keine klare Antwort findest, kannst du Gopals Team kontaktieren und dich erkundigen.    

Wenn du Klarheit zu einer Regel hast, ein Teilnehmer aber immer noch versucht, mit dir zu diskutieren, kannst du ihm sagen: „Ich habe mich gründlich informiert und lade dich ein, dich darauf einzulassen, wie ich die Gruppe leite. Alle Gedanken und Gefühle, die bei dir ausgelöst werden, sind beim EM herzlich willkommen.“

Vertretung als Gruppenleiter

Als Gruppenleiter wirst du nicht immer jedes Treffen selbst leiten können – Krankheit, Urlaub oder andere Termine kommen vor. Das ist gar kein Problem. Du kannst deine Gruppe in dieser Zeit einfach ausfallen lassen, besonders wenn sie bei dir zuhause oder in deinen Praxisräumen stattfindet.

Es kann aber auch angenehm sein – für dich und für die Gruppe –, wenn du ein oder zwei zuverlässige Teilnehmer bereits vorab bestimmst, die in Ausnahmefällen die Vertretung für dich übernehmen können. Wähle Personen aus, die EM sauber praktizieren und bereits Vertrauen in der Gruppe genießen.

Kommuniziere klar vorab an die ganze Gruppe, welcher Teilnehmer für welchen Termin die Leitungsrolle übernimmt. Die zweite Person kann als Co-Vertreter moralisch unterstützen, die Leitung sollte aber klar bei nur einer Person liegen.

Deine Vertretung hat in erster Linie die Aufgabe, den Gruppenrahmen zu halten und sollte nur sparsam korrigieren. So bleiben Treffen auch in deiner Abwesenheit sicher und wertschätzend.

Übrigens kann dein Vertreter auch schon einmal probeweise das Korrigieren übernehmen, während du dabei bist. Dabei solltest du als Gruppenleiter allerdings von der Korrektur ausgenommen sein, denn deine Leitungsfunktion bleibt weiterhin bestehen.