In diesem Modul lernst du:
Viele EM-Gruppenleiter fühlen sich anfangs unsicher: Welche Verhaltensweisen in der Mitteilungsrunde sollte man einfach laufen lassen? Wo greift man ein? Diese Unsicherheiten sind ganz normal.
Generell gilt: Eingreifen solltest du nur dann, wenn der EM-Prozess merklich ins Stocken kommt oder für alle deutlich spürbar gestört wird. Ansonsten hältst du dich zurück.
Deine Aufgabe als Leiter ist nicht, die inneren Prozesse der Teilnehmer zu „verstehen“ oder zu therapieren – sondern einen sicheren, klaren und wohlwollenden Rahmen zu halten. Mit der Zeit entwickelst du dafür ein feines Gespür.
Beim EM muss kein direkter Blickkontakt gehalten werden. Im Merkblatt heißt es: „Die Augen sollten offen bleiben und auf den Sprechenden gerichtet werden.“ Wer es nicht schafft, anderen in die Augen zu schauen, schaut auf ihren Körper, notfalls nur auf die Füße. Auch so kommt ein wenig Kontakt zustande. Wichtiger als ein durchgehender Blickkontakt ist beim Zuhören eine innere Haltung von wohlwollender Aufmerksamkeit.
Wer mit dem Mitteilen dran ist, kann wählen, wen er wie lange anschauen mag. Die Reihenfolge des Blickkontakts ist jedem Einzelnen überlassen. Wem es guttut, der kann sich beim Mitteilen auch die Zeit nehmen, sich einmal kurz in der Runde umzublicken. Oft führt das zu einer deutlichen Entspannung im Nervensystem.
Es ist beim EM übrigens durchaus erlaubt, auch einmal kurz zu pausieren und durchzuatmen. Die Sprechpausen sollten allerdings nicht so lang werden, dass die Gruppe unruhig wird.
Wie es im Merkblatt steht, sollte der Gesichtsausdruck beim Zuhören möglichst neutral bleiben. Wer als Zuhörer gewohnheitsmäßig lächelt oder nickt, tut demjenigen, der sich gerade mitteilt, keinen Gefallen. Der Mitteilende fühlt sich vielleicht kurzfristig bestärkt und ermutigt. Die Gefühle, die in ihm im Kontakt eigentlich auftauchen, können so aber überdeckt werden und nicht ins Mitteilen gebracht werden.
Wenn man nun möglichst neutral schauen soll, wie ist es dann aber mit spontanem Lächeln und Lachen? Diese Frage wird häufig gestellt. Wenn beim EM hin und wieder spontan gelächelt oder gelacht wird, ist das kein Problem. Freude und Heiterkeit brauchen nicht unterdrückt zu werden.
Etwas anderes ist es, wenn ständiges Lachen den Gruppenprozess erheblich stört, z.B. weil andere Teilnehmer verunsichert werden. Sprich es in diesem Fall einmal behutsam unter vier Augen an.
In EM-Runden kommt es immer mal wieder vor, dass ein Teilnehmer oder eine Teilnehmerin anfängt zu weinen. Das Weinen kann für denjenigen erleichternd und wohltuend sein oder sich bedrückend und ausweglos anfühlen.
Als EM-Gruppenleiter bist du kein Therapeut und brauchst den Unterschied nicht zu erkennen. Eingreifen solltest du nur, wenn vor lauter Weinen das Mitteilen ganz in Stocken kommt. Dann kann es helfen, die Person sanft daran zu erinnern, ihre Augen offen zu halten und weiterzusprechen. In der Regel beruhigt sich das Weinen dann nach kurzer Zeit.
Bei starker Überforderung, z.B. in einer akuten Lebenskrise, kann es sinnvoll sein, dem Teilnehmer unter vier Augen nahezulegen, dass ein Zweiersetting oder professionelle Begleitung momentan passender sein könnten.
Ähnlich wie das Weinen kann auch das Gähnen beim EM beides sein – ein angenehmer Entladungsprozess oder ein Mechanismus, der Kontakt verhindert. Auch dies brauchst du als Gruppenleiter nicht einschätzen zu können.
In der Regel sollte man dem Gähnen einfach keine große Beachtung schenken. Nur, wenn ein Teilnehmer ständig exzessiv gähnt und dies beginnt, den EM-Prozess in der Gruppe deutlich zu stören, kannst du ihn vorsichtig bitten, einmal zu versuchen, damit aufzuhören. Manchmal fühlt sich der Teilnehmer dann plötzlich wacher und klarer.
Beim EM sollte man grundsätzlich entspannt und ruhig dasitzen, ohne mit den Füßen zu wippen oder mit den Händen zu nesteln oder zu gestikulieren. Man braucht jedoch auch nicht stocksteif dazusitzen. Um Verspannungen zu vermeiden, kann man sich zu der Person drehen, die man gerade anschaut – allerdings nicht ruckartig oder allzu frontal, denn das könnte konfrontativ wirken.