In diesem Modul lernst du:
Gopal stellt es Gruppenleitern grundsätzlich frei, welche Aktivitäten sie vor und nach dem EM anbieten möchten. Denkbar sind z.B. ein Bewegungsspiel zum Ankommen, gemeinsames Vorlesen aus dem „Vagus-Schlüssel“ zur Einstimmung oder nach dem EM eine geführte Meditation oder ein Klangbad.
Viele Gruppen leiten die Mitteilungsrunde auch mit einer Schweigeminute ein und schließen sie mit ein paar Minuten Stille ab. Du kannst aber auf alle umrahmenden Aktivitäten auch einfach verzichten. Den Teilnehmern reicht das Ehrliche Mitteilen als Programmpunkt in der Regel völlig aus.
Generell ist es wichtig, nach dem EM nicht wieder zum Smalltalk überzugehen, sondern eine achtsame, stille Haltung zu bewahren, am besten auch auf dem Heimweg. Für viele ist die Verlockung groß, gleich wieder ins Plaudern zu kommen. Doch wer sich einmal an die Stille nach dem EM gewöhnt hat, möchte sie meist nicht mehr missen.
Als Gruppenleiter gibst du den Rahmen vor – auch bei scheinbar kleinen Dingen. Entwickle klare und einfache Rituale, zum Beispiel für die Raumspende. Kommuniziere diese klar vorab, z. B. im Infoblatt oder Vorgespräch, zum Beispiel so: „Die Raumspende von 5 € lege bitte passend in bar vor Beginn der Gruppe in das Kästchen.“
Solche Absprachen verhindern, dass die Aufmerksamkeit an Nebensächlichkeiten hängen bleibt. In geschlossenen Gruppen kann es ein schönes Ritual sein, wenn alle gemeinsam aufräumen und nach einer Umarmung gemeinsam aufbrechen.
Eine dringende Empfehlung von Gopal lautet, keine ausführlichen Vorstellungsrunden zu machen. Eine kurze Namensrunde ist natürlich in Ordnung. Verzichte aber unbedingt darauf, von deinen Teilnehmern reihum bestimmte Informationen abzufragen wie Alter, Beruf, Familienstand, Wohnort, Sommerpläne etc. Das kann großen Stress auslösen und ist für euer gemeinsames EM nicht relevant.
Vorsicht ist auch angebracht in Bezug auf ein längeres freies Vorgespräch vor dem EM. Für viele Menschen mit Bindungs- und Entwicklungstrauma sind Gruppengespräche herausfordernd: Wann melde ich mich zu Wort? Wie viel erzähle ich von mir? Bekomme ich Raum? Oder bin ich zu viel?
Schnell kann es hier zu dem kommen, was Gopal „Energiekrieg“ nennt: Einzelne spielen sich in den Vordergrund, es kommt zu subtilen Rechthabereien, ungefragten Ratschlägen oder neugierigen Fragen, die man eigentlich gar nicht beantworten möchte. Freie Gespräche sollten nur in einer geschlossenen Gruppe stattfinden, wenn ihr euch bereits recht gut kennt und alle sich wohl und entspannt miteinander fühlen.
Möglich ist dagegen, vor dem EM ein von dir als Gruppenleiter moderiertes kürzeres freies Gespräch zu führen, bei dem Zeit für etwas Plauderei ist und bei dem Fragen zum EM gestellt werden. Du kannst auch in die Runde fragen, wie es den Teilnehmern seit eurem letzten Treffen ergangen ist – wer möchte, kann die Frage kurz beantworten. Achte als Gruppenleiter allerdings darauf, dass hier niemand in ein langes Geschichtenerzählen gerät.
Nach dem EM sollte dagegen keine Gesprächs-, Feedback- oder Korrekturrunde mehr stattfinden. Das, was in einem vorgeht, soll ja beim EM mitgeteilt werden, nicht danach. Generell wird nach dem EM über den Inhalt der Mitteilungen nicht mehr gesprochen. Auch nett gemeinte Rückmeldungen wie „Du, das, was du eben mitgeteilt hast, hat mich sehr berührt“ sind tabu. Bewahrt nach dem EM am besten eine achtsame Stille.