Modul 7: Das psychische Problem des anderen (in deiner Vorstellung)

Dieses Modul baut auf den vorherigen auf. Bitte bearbeite zunächst die Module 4-6, bevor du hier weitermachst. 

In einer therapeutischen Sitzung zur Projektionsauflösung fragt der Therapeut oft: „Was stimmt mit dem anderen aus deiner Sicht eigentlich nicht, dass er es nötig hat, sich so zu verhalten, wie du es dir vorstellst?“

Der Klient hat vielleicht gerade seine Gefahrenprojektion geschildert, sein Gegenüber könnte ihn anschreien oder sogar handgreiflich werden, wenn er, der Klient, z.B. Wut oder Kritik äußert. Der Therapeut fragt dann häufig: „Dann muss der andere in deiner Vorstellung ja irgendwie ein psychisches Problem haben, dass er sich so verhält, oder nicht?“ 

Beim Klienten tauchen dann oft erstmal Fragezeichen auf. Er ist vielleicht noch nie auf den Gedanken gekommen, dass es keineswegs normal oder gewöhnlich ist, auf Wut oder Kritik mit Anschreien oder Handgreiflichkeiten zu reagieren. In seiner inneren Welt, in seinem Kopfkino, wirkt das nicht wie etwas Ungewöhnliches. 

Daher ist es sinnvoll, sich klarzumachen, dass das Verhalten, dass man in seiner „Filmszene der Bedrohung“ vom Gegenüber erwartet, im Grunde ziemlich merkwürdig ist und voraussetzen würde, dass der andere irgendeine Art von psychischem Problem oder Defizit hat.  

So geht's

1. Was du bisher herausgearbeitet hast

Lies dir an dieser Stelle noch einmal deine „Filmszene der Bedrohung“ durch, die du in Modul 6 beschrieben hast:

2. Realitätscheck

Mache dir an dieser Stelle noch einmal klar:

Kein emotional reifer und beziehungsfähiger Erwachsener in einer sicheren Bindung würde typischerweise so reagieren. Es handelt sich um eine übertriebene, traumabasierte Erwartung.

3. Das psychische Problem des anderen (in deiner Vorstellung)

Stelle dir nun die Frage: Was für ein psychisches Problem oder Defizit hat dein Gegenüber in deiner Vorstellung, dass er/sie es nötig hat, sich so zu verhalten? 

Wichtig: Es geht hier nicht darum, dass dieser Mensch tatsächlich so ist. Du untersuchst, was du dir vorstellst.

Kreuze hier spontan an, was dir zutreffend erscheint (1 bis max. 3 Punkte). Auf der nächsten Seite gehen wir weiter ins Detail. 

  • 1. Hat eine kurze „Zündschnur": Mangel an Introspektion und Selbstkontrolle
  • 2. Kann Nähe kaum aushalten: Mangel an Kontakt- und Bindungsfähigkeit
  • 3. Ist hilflos wie ein kleines Kind: Bedürftigkeit, Schwäche
  • 4. Geht in eine übergriffige Helferrolle: Unfähigkeit Bedürfnisse direkt zu äußern
  • 5. Benutzt Machtspiele, um Ohnmacht zu kompensieren: Mangel an echter innerer Stärke