Modul 4: Was droht von deinem Gegenüber?

In diesem Modul gehen wir näher auf die vier Bedrohungen ein, die in unserer Vorstellung von anderen Menschen ausgehen können. 

Wichtig: Dieses Modul kann bei manchen Menschen starke Gefühle auslösen. Nimm dir bewusst Zeit und bearbeite es nur, wenn du dich stabil genug fühlst.

Wenn nötig, unterbrich die Bearbeitung und setze sie zu einem späteren Zeitpunkt fort oder hole dir professionelle therapeutische Unterstützung bei der Untersuchung deiner Gefahrenprojektionen. 

Hier noch einmal die vier verschiedenen Bedrohungsszenarien: 

  1. Verlassen werden
  2. Angegriffen werden
  3. Ignoriert werden
  4. Manipuliert werden

Für jede der vier Kategorien findest du im Folgenden eine ganze Reihe konkreter Beispiele. Lies sie dir in Ruhe durch und schaue, auf welche dieser Befürchtungen du eine Resonanz hast. Kreuze an, was dir bekannt vorkommt.

Gehe dabei verschiedene Menschen aus deinem Leben innerlich durch. Achte darauf, welche dieser Befürchtungen bei ganz unterschiedlichen Personen immer wieder auftauchen – auch (und gerade) dann, wenn diese Menschen objektiv betrachtet gar nicht so handeln.

1. Verlassen werden

Du rechnest unterschwellig ständig damit, dass du deinem Gegenüber zu viel bist und derjenige bei der nächstbesten Gelegenheit weggehen und dich verlassen könnte.

  • Du fürchtest insgeheim, dass der andere sich eigentlich nur widerwillig überhaupt auf Begegnungen mit dir einlässt oder diese nicht lange aushalten kann.
  • Getroffene Verabredungen fühlen sich für dich immer etwas „wackelig“ an, in deiner Vorstellung könnte der andere sie jederzeit canceln und du wärst wieder mit deinem Alleinsein konfrontiert.
  • Bei euren Treffen oder bei einem Telefonat fürchtest du insgeheim oft, der andere könnte plötzlich aufstehen, weggehen oder auflegen, weil du ihm zu viel bist oder er eigentlich etwas Besseres vorhat.
  • Du befürchtest insgeheim, dass der andere früher oder später vorhat, dich zu verlassen. Der Fortbestand eurer Beziehung wirkt für dich immer latent bedroht.
  • Wenn du nicht ständig aktiv dafür sorgst, die Beziehung am Laufen zu halten, so deine Befürchtung, ist der andere früher oder später weg.

2. Angegriffen werden

Du rechnest unterschwellig ständig damit, dass dein Gegenüber dich angreifen könnte, wenn du dich nicht so verhältst, wie er es sich vorstellt oder wünscht. 

Auch wenn es einen erwachsenen Teil von dir gibt, der weiß, dass diese Reaktionen eher unwahrscheinlich sind, gibt es doch einen Teil von dir, für den diese Bedrohungen im Hintergrund immer mitlaufen. 

  • Du befürchtest oft insgeheim, der andere könnte bei der kleinsten Gelegenheit plötzlich laut losschimpfen und dich verbal geradezu „plattwalzen“.
  • Es ist für dich gut vorstellbar, dass der andere fast aus dem Nichts heraus laut und aggressiv wird, dich anschreit.
  • Du rechnest oft unterschwellig damit, der andere könnte dich beleidigen, runterputzen und beschämen.
  • In dir gibt es die Vorstellung, der andere könnte schon bei einem nichtigen Anlass plötzlich aggressiv auf dich zukommen oder zurennen.
  • Wenn du diese inneren Bilder weiterdenkst, findest du auch Vorstellungen, der andere könnte dich gewaltsam wegschubsen oder -stoßen.
  • Auch die Vorstellung, der andere könnte dich ohrfeigen oder schlagen, ist dir nicht fremd.
  • Du findest in dir sogar noch extremere innere Bilder: Der andere könnte auf eine Art und Weise Gewalt ausüben, die in deiner Vorstellung zu deinem Tod führen könnte.
  • Du kennst die Sorge, der andere könnte eine dritte Person verbal oder körperlich angreifen, was für dich ebenfalls existentiell bedrohlich wird.

3. Ignoriert werden

Du rechnest unterschwellig ständig damit, dass dein Gegenüber sich aus der Verbindung mit dir innerlich ausklinken könnte, weil ihm etwas an deinem Verhalten nicht passt oder ihn überfordert. Der andere droht dich zu ignorieren, obwohl ihr im gleichen Raum seid oder euch am gleichen Ort aufhaltet.

  • Du befürchtest ständig insgeheim, dass der andere zwar äußerlich auf das reagiert, was du sagst, aber eigentlich emotional unbeteiligt und desinteressiert an dir ist.
  • Du befürchtest oft, dass der andere im Beisammensein mit dir jederzeit innerlich den Kontakt kappen könnte: dich kaum noch wahrnehmen, kaum noch auf dich reagieren, ins Leere starren.
  • Du hast die latente Befürchtung, dass der andere sich mitten im Beisammensein mit dir plötzlich etwas anderem zuwendet, seinem Handy, einem Videospiel, dem Fernseher oder seiner Arbeit und dann für dich nicht mehr ansprechbar ist.
  • Du befürchtest manchmal, dass die ganze Gruppe anfängt dich zu übersehen und zu ignorieren und sich so verhält, als wärst du nicht da.
  • Du kennst die Sorge, das Schweigen des anderen könnte bedeuten, dass er dich absichtlich wie Luft behandelt, so tut, als würde er nicht hören, was du sagst (Silent Treatment).
  • Du befürchtest, dass der andere dem Blickkontakt mit dir absichtlich ausweicht, um dich auf Abstand zu halten.
  • Du befürchtest, dass der andere Alkohol oder Drogen dazu benutzen könnte, den Kontakt mit dir zu kappen und dann für dich nicht mehr ansprechbar ist.

4. Manipuliert werden

Du rechnest häufig damit, dass der andere dich manipuliert, um einen Pseudokontakt herzustellen, der dich überfordert und vereinnahmt, statt dich wirklich zu nähren.

  • In deiner Vorstellung hat der andere vor, dich mit demonstrativem Leiden und Schuldgefühlen zu manipulieren: mit Leiden, Bedürftigkeit, Schwäche, Tränen, Klagen über Überlastung und Mangel. Die Absicht dahinter ist, dass du dich um ihn kümmerst, obwohl du es eigentlich nicht möchtest.
  • Du befürchtest häufig, dass der andere vorhat, dich energetisch zu schwächen, indem er sich über dich stellt, dich kritisiert, etwas an dir für falsch erklärt, sich über dich lustig macht, dich auslacht, beschämt, für inkompetent oder faul erklärt, dir sagt, wie du dein Leben führen solltest.
  • Der andere hat in deiner Vorstellung unterschwellig vor, sich auf deine Kosten stärker zu fühlen, indem er dir ungefragte Ratschläge gibt, deine psychologischen Muster analysiert, deine eigene Wahrnehmung in Frage stellt, dir einredet, er wüsste besser als du, was gut für dich ist.
  • Du befürchtest, dass der andere dich energetisch schwächt und sich selbst stärkt, indem er dir in übergriffiger Weise hilft, dich unterstützt, dich berät, dir Dinge abnimmt, was dich längerfristig in einer Position der Abhängigkeit und Passivität hält.
  • Du befürchtest, dass der andere dich absichtlich auf Nachrichten und Reaktion warten lässt, dich auf die Folter spannt, dich eifersüchtig macht, es darauf anlegt, dass du dich unsicher und gestresst fühlst.