Gefahrenprojektionen löst man auf, indem man sein Gegenüber direkt fragt, ob das, was man befürchtet, überhaupt stimmt:
„Bei mir ist die Vorstellung, dass du vorhast, mich zu verlassen. Stimmt das?“
In der therapeutischen Praxis zeigt sich, dass es einen oft erstaunlich starken und nachhaltigen Entspannungseffekt auf Menschen hat, ihre Gefahrenprojektionen konkret abzufragen und eine Antwort darauf zu bekommen:
Selbst, wenn der andere mit „ja“ antwortet, macht man die Erfahrung, dass man es heute mit einem Gegenüber zu tun hat, das über seine inneren Vorgänge sprechen kann.
Wer z.B. mitteilen kann, dass er tatsächlich Fluchtimpulse hat, braucht er oft nicht wegzugehen, sondern kann dableiben. Das Abfragen hat daher fast immer eine entspannende Wirkung, die körperlich spürbar ist als ein plötzlicher Regulationsprozess im Nervensystem.
Gefahrenprojektionen können im einzeltherapeutischen Setting direkt in Bezug auf den Therapeuten geäußert und abgefragt werden. Das praktiziert Gopal z.B. in seinen „Gesprächen mit Gopal“.
Im gruppentherapeutischen Format werden Projektionen meist einem anderen Teilnehmer gegenüber geäußert und abgefragt, wobei der Therapeut diesen Austausch moderiert. Gopals Gruppenmethode der Projektionsauflösung nennt sich FLOATING. Sie darf unter diesem Namen nur von durch ihn ausgebildeten Therapeuten praktiziert werden.
Inzwischen bieten auch viele andere Therapeuten und Coaches Projektionsauflösungen nach Gopals Vorbild an oder beziehen den Ansatz in ihre Arbeit ein.
Wer mit dem Aufspüren und Abfragen von Projektionen genügend Erfahrung gesammelt hat, kann solche Fragen auch niedrigschwellig in seinen Alltag integrieren und vertraute Menschen einfach einmal ansprechen: „Mein Kopf denkt, dass du gerade vorhast, mich anzugreifen. Stimmt das?“ So können viele Spannungen entschärft werden, bevor sie zu Konflikten und Verstrickungen werden.
Je mehr Klarheit du bereits im Vorfeld einer therapeutischen Sitzung darüber hast, worin deine Gefahrenprojektion besteht, desto schneller und effektiver können deine Projektionen im therapeutischen Setting entkräftet und aufgelöst werden.
Die Beschäftigung mit deinen Projektionen gibt dir aber auch unabhängig von Therapie mehr Klarheit über deine eigenen Muster: Du kannst schneller erkennen, welchen „Film“ du gerade mal wieder am Laufen hast. Der größere innere Abstand hilft dir, aus typischen Schleifen der Reinszenierung rechtzeitig auszusteigen.