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Kurse für Ehrliches Mitteilen nach Gopal

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Ehrliches Mitteilen Level 2

 Anna Lisa Corrinth

Vielleicht kennst du das: Du praktizierst bereits eine Weile Ehrliches Mitteilen und denkst dir: „EM Level 1 klappt schon ganz gut. Jetzt ist es Zeit für den nächsten Schritt.“ Level 2, das hört sich fortgeschritten an – und auch irgendwie spannender als Level 1: mehr Direktheit, mehr Feedback vom anderen, vielleicht auch mehr Reibung und somit konstruktive Konfrontation mit den eigenen Mustern.

Doch ist der Wechsel zu Level 2, dem EM mit Bezugnahme, wirklich eine gute Idee für dich? Woran merkst du, dass du bereit für Level 2 bist, in deiner Partnerschaft oder in deiner EM-Gruppe? Und wie könnt ihr feststellen, ob Level 2 bei euch gut klappt?

Level 1 und Level 2 im Vergleich

Bei Level 1 spricht jeder ausschließlich über sich selbst. Du-Sätze oder Aussagen über Anwesende in der dritten Person sind tabu. Taucht ein Gedanke auf, der dein Gegenüber oder eine andere Person im Raum betrifft, wird er entweder weggelassen oder so umformuliert, dass sich niemand direkt angesprochen fühlt.

Aus: „Mein Kopf denkt, dass ich mich gerade über dich ärgere.“ wird so beispielsweise: „Mein Kopf denkt, dass ich mich gerade ärgere.“ Level 1 ist die Grundform des EM und laut Gopal für die vollständige Transformation völlig ausreichend.

Bei Level 2 fallen diese Beschränkungen weg. Gedanken über andere im Raum – ob positiv, neutral oder negativ – dürfen im EM-Format genau so mitgeteilt werden, wie sie auftauchen, auch direkt an jemanden gerichtet: Der Satz „Mein Kopf denkt, dass ich dich mag“ ist bei Level 2 genauso in Ordnung wie z.B.: „Mein Kopf denkt, dass ich dir gegenüber etwas misstrauisch bin.“

Wichtig dabei: Auch bei Level 2 besteht keine Verpflichtung, jeden Gedanken über den anderen mitzuteilen. Man kann selbst entscheiden, was man ausspricht und was nicht.

Die Risiken von Level 2

Level 2 klingt nach Freiheit – birgt aber mehr Risiken, als vielen EM-Praktizierenden bewusst ist.

Bezugnahmen können zum Ausagieren benutzt werden. Manche Menschen machen bei Level 2 beleidigende Aussagen über andere, wie z.B.: „Mein Kopf denkt, dass du ein Idiot bist“. Dies dient oft dazu, die eigenen Gefühle nicht mitzuteilen, z.B.: „Ich fühle Wut.“ Formal ist beides korrektes EM – doch der Unterschied ist für alle im Raum spürbar. Ausagieren hat beim Ehrlichen Mitteilen nichts zu suchen.

Bezugnahmen können außerdem starke Verunsicherung auslösen. Selbst harmlose oder neutral gemeinte Bezugnahmen, wie z.B.: „Mein Kopf denkt, dass du heute etwas grimmig schaust“, können eine starke Wirkung auf den Empfänger haben. Manche EM-Praktizierende berichten, dass sie über solche Bemerkungen noch tagelang nachgrübeln.

EM Level 2 ist also keineswegs so unkompliziert, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Für wen eignet sich Level 2?

Gopals klare Empfehlung lautet, in EM-Gruppen grundsätzlich bei Level 1 zu bleiben. Das gilt besonders für offene Gruppen. Hier können Gruppenleiter unmöglich einschätzen, wie achtsam neue Teilnehmer mit Bezugnahmen umgehen und ob sie Gedankenmitteilungen über sich selbst gut aushalten können.

Geschlossene Gruppen, die sich lange kennen, können Level 2 in Erwägung ziehen. Voraussetzung ist aber auch hier, dass alle bei Level 2 mit Bedacht formulieren und Bezugnahmen gut hören können.

In der Partnerschaft oder unter engen Freunden ist Level 2 eher möglich. Auch hier ist jedoch Vorsicht angebracht. Wenn man feststellt, dass sich vorhandene Spannungen in der Beziehung verstärken, sollte man unbedingt wieder zurück zu Level 1 wechseln.

Gopals einfache Faustregel lautet: Man sollte mit Level 2 nur beginnen, wenn man Level 1 so vollständig praktiziert hat, dass gar kein Interesse mehr an Level 2 besteht.

Checkliste: Liegt ihr mit Level 2 richtig?

Ein gelingendes Level 2 merkt ihr an folgenden Anzeichen:

  • Das EM fühlt sich für beide/alle von euch entspannt und sicher an. Die Bezugnahmen lösen bei niemandem Anspannung und Stresszustände aus. 
  • Beide/alle von euch sind ohne Weiteres in der Lage, ihre Gefühle direkt ins Mitteilen zu bringen, statt sie über Bezugnahmen auszuagieren.
  • Weder seid ihr auf der Hut vor dem, was der andere mitteilt, noch habt ihr den Eindruck, ihr müsstet jedes Wort, das ihr sagt, auf die Goldwaage legen, um den anderen nicht zu kränken.
  • Nach dem EM grübelt keiner von euch über die Bezugnahmen des anderen nach. Auch taucht nicht der Impuls auf, darauf später noch reagieren oder etwas klären oder richtigstellen zu müssen.
  • Niemand von euch denkt darüber nach, eure EM-Beziehung lieber ganz zu beenden, weil die gemeinsame Praxis sich zu belastend anfühlt. 

Fazit

Zusammenfassend könnte man sagen: Ein gelingendes Level 2 merkt ihr daran, dass die Wirkung sich im Grunde nicht von der eines EM Level 1 unterscheidet. 

Der Unterschied zu Level 1 ist, dass man etwas freier und ungezwungener sprechen kann. Manche empfinden Level 2 auch als ein wenig inniger und näher – sofern alle Beteiligten dabei entspannt sind.  

Probiert Level 2 gern einmal aus und schaut, wie es euch damit geht. Im Zweifelsfall wechselt wieder zu Level 1. 

Auch, wenn ihr schon seit Wochen, Monaten oder sogar Jahren Level 2 praktiziert und feststellt, dass dabei immer eine gewisse Anspannung im Spiel ist, kehrt gern wieder zu Level 1 zurück. Das ist kein Rückschritt, sondern in vielen Fällen ein Zeichen von gestiegener Bewusstheit in eurer Beziehung. 

In diesem Sinne: Viel Freude beim Ehrlichen Mitteilen auf Level 1 und 2! 

In meinem interaktiven Gruppenleiterkurs gehe ich näher darauf ein, was bei Level 1 und Level 2 in der EM-Gruppe zu beachten ist. Schau gerne mal rein! 

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